Monday 6 August 2007

Columnize my randomness, Teil 2

1. Die Presse konstatiert, dass ein alter Geist in Europa umgeht, und meint damit keineswegs Konservatismus, den neu aufkeimenden Rechtsextremismus oder den immer noch in der (eigenen) Volkspartei vorherrschenden Chauvinismus, sondern den "Sozialismus"!
In anderen Worten: Die Marktwirtschaft feiert derzeit einen wahren Triumphzug. Allerdings eher auf den Märkten denn in den Herzen der Menschen. Gleichzeitig zu den wirtschaftlichen Frohbotschaften wächst in Europa nämlich das Gefühl der Ungleichheit – und damit die Kritik am Kapitalismus. Breite Massen fühlen sich von den Wohlstandsgewinnen weitgehend ausgeschlossen. (Presse vom 4. August 2007)
Dann wird umfassend dargestellt, wie sehr Europa und speziell Österreich von der Globalisierung profitieren (schließlich hat Österreich wie eine Heuschrecke die Telekommunikationsunternehmen in den neuen EU-Staaten aufgekauft und ist dort jetzt Mini-Monopolist). Damit sollten die Menschen also glücklich sein, schließlich simma jetzt wer, selbst wenn, wie die Presse selbst zugibt, sich die Einkommen der einfachen Arbeitnehmer seit den 70ern lediglich verdoppelt haben, während Manager inzwischen ungefähr 40 Mal so viel verdienen. Am Ende dieses Artikels, bei dem es eigentlich darum gehen sollte, dass der Sozialismus wieder Einzug hält (denn wer gegen die darwinistische absolute Marktwirtschaft ist, muss ja automatisch dem anderen Extrem zustreben, schließlich gibt es nichts dazwischen, richtig?), wird eine Erkenntnis des Management Clubs:
Die Globalisierung schafft in Österreich mehr Jobs, als ihr zum Opfer fallen. Allerdings löst die Globalisierung ein Problem nicht: nämlich jenes, schlecht qualifizierte Europäer, deren Arbeitsleistung – so hart das klingen mag – zu teuer geworden ist, auf die neuen Herausforderungen vorzubereiten und auf den Arbeitsmarkt zurückzuführen.
Ähnlich klug und zielstrebig gehts weiter: "Sehnsucht nach Sozialismus" zeichnet das Bild eines reichen Landes, in dem an nichts fehlt, und doch sehnt sich die ewig nörgelnde Bevölkerung nach einem humanen Sozialismus. Welches Land ist das? Deutschland. Da wird Lafontaine als "Verführer" gezeichnet, in einem Land, das scheinbar immer weiter nach links rückt, weil es auch nur über Mindestlohn redet und Hedgefonds kritisiert. Also nochmal: bedeutet Kritik am Heuschreckenkapitalismus automatisch, dass der Sozialismus (und was hier heraufgebetet wird, meint den "bösen Sozialismus") wieder en vogue wird?
Der Auslöser? Der österreichische Sozialminister Erwin Buchinger mischt sich in Themengebiete, die ihm seit der Regierungsbildung nicht mehr gehören, als das Ressort Arbeit vom Sozial- ins schwarze Wirtschaftsministerium wanderte. Er fordert eine Lohnerhöhung für Arbeitnehmer um 4 %, und einen Papamonat, der Väter motivieren soll, in Karenz zu gehen (im Moment tun das ganze 3 %).

Was soll man zu dem Ganzen sagen? Die Presse verdient von allen Zeitungen in Österreich, die gerne ernst genommen werden würden, bzw. damit zumindest ihre geringe Leserschaft rechtfertigen, am wenigsten das Prädikat "unabhängig". Außer dem Spectrum schaffe ich es nicht, die Artikel zu lesen, ohne einen Wutanfall zu bekommen. Vielleicht ginge es mir ähnlich, wenn ich andere Meinungen hätte und den Standard lesen würde, aber hier schaffe ich es nicht mal mehr durch das Feuilleton. Das ist schade, weil ich das "Spectrum", die Wochnendbeilage, immer noch hoch schätze. Kann man das vielleicht ab jetzt separat kaufen?

2. Geek-stuff schafft es wenigstens ein bisschen, die Verzweiflung zu übertynchen. Ich wünschte, wir hätten etwas in der Art von der Comic-Con (die neben Dragon Con etc. die größte Convention in den USA ist).

NY Times - We're All Geeks Here

Ich glaube manchmal, dass ich überhaupt kein politischer Mensch bin, nur ein popkulturell besessener, und das macht mir Angst.

NY Times - Courting Fantasy-Fans (and Everyone Else)

Wer einmal einen Roman von Neil Gaiman gelesen hat, sieht die Welt plötzlich mit anderen Augen. Mir ging es vor allem mit "Neverwhere" so: Plötzlich war alles voller neuer Möglichkeiten, die Grenze zwischen Realität und Traumwelt schien geöffnet, warum auch nicht, wenn das menschliche Gehirn dazu fähig ist? "Stardust" wird hoffentlich bald auch in unsere Kinos kommen.



3. Einer meiner liebsten heimlichen Schriftsteller, die kaum jemand kennt, ist Matt Ruff. "Sewer, Gas and Electrics" ist eine wilde Mischung aus Gaiman, Gibson und Philip K. Dick, "Set This House in Order" ein wirklich schöner Roman darüber, wie ein Schizophrener sein Leben organisiert. Mit bookslut spricht er über sein neues Buch, "Bad Monkeys".

4. Oh, and there is always Sylvia Plath. If life gets too cheerful, read "The Bell Jar", especially when you're a teenage girl, miserable, and it's a beautiful summer day.

5. And yes, that too. That reminds me, I should write a mail.

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