Thursday, 5 January 2006

Julia Hummer and Too Many Boys - Downtown Cocoluccia

Woher kommt das Bedürfnis, Julia Hummer in irgendeine Songwriter-Tradition einzuordnen und sie neben Bob Dylan, Neil Young oder Nick Drake zu setzen? Nur wegen der Mundharmonika? Für mich steht das Album recht alleine da. Es braucht auch keine großen Brüder und Schwestern, schließlich nimmt man Julia Hummer sofort ab, dass ihre Musik von Herzen kommt – dass sie sich eines Tages einfach mit ihrer Gitarre hingesetzt und 200 Songs geschrieben hat. Es ist schwer, über die Texte zu sprechen. Man weiß nicht so recht, worum es geht. Auf „Our Empire Is“ ist von Gewalt die Rede, „We are slaves of a god that does not exist“ klingt dann tatsächlich nach Marilyn Manson, wäre es nicht ausgerechnet diese Stimme, die die Worte spricht. Ist das ein politischer Song? Natürlich, Nichts ist schlimmer, als das offensichtliche. Offensichtlich ist hier gar nichts. Natürlich, sie sing auch von Tombstones und vom Blues (auf einem der schönstes Songs des Albums) aber das macht noch lang keinen Dylanbleger aus „Downtown Cocoluccia“.
Mein Lieblingslied ist „Katharina“. Diesmal wirklich ein Liebeslied, wenn die Liebe auch irgendwie missglückt. Die fünf Frauen inklusive Icherzählerin lieben irgendwie aneinander vorbei. Das ist dann ein bisschen wie in einem Christian-Petzold-Film.
„I Will play as long as it replaces innocence and truth!. Von Unschuld ist überhaupt viel die Rede. Vielleicht liegt das daran, dass sie in Interviews immer wie eine kleine, zerbrechliche 15jährige Porzellanfigur behandelt wird. Das Sarah Kuttner Interview endete mit den Worten „Ich bin doch nicht Pete Dougherty“.
„I'm sorry I killed your cat in the backyard at my mother's second wedding but I just went mad”
Bei Menschen wie Julia Hummer ist es besonders schwer, Rolle von wirklicher Person zu unterscheiden, weil sie immer so wirkt, als würde sie ihr Herz für alle sichtbar vor sich hertragen. Aber das könnte auch täuschen. Auf „as simple as can be” kommt die Vermutung auf, dass Julia doch kein so komplizierter Mensch ist.
Julia Hummers Musik bleibt nicht stehen, sie springt, sie hat keinen bestimmten Ort. Diese Uneinheitlickeit stört aber überhaupt nicht, weil sie trotzdem alles zusammenhält, und wenn es nur daran liegt, dass sich die Ich-Form durch alle Texte zieht.
Der Fetzer ist dann doch noch „Desire is Bigger Than Life Itself“ Von wegen keine Lieber über Liebe, man muss nur wissen wie.

No comments: