Für mich bilden Scout Niblett, Cat Power und Laura Veirs ein geheimes, irgendwie verbundenes Gespann. Vielleicht liegt es daran, dass ich von einer auf die anderen gekommen bin, weil andere meinen, sie hätten musikalisch viel gemeinsam. Chan Marshall und eben auch Emma Luise Niblett werden beide gerne mit PJ Harvey verglichen. Wer weiß, wie sich die drei auf der Bühne verhalten, mit ihrem Publikum umgehen etc, darf aber vermuten, dass die Unterschiede größer als erwartet sind.
„Kidnapped By Neptune“ beginnt mit Wasser – bestimmt nur ein Zufall – und schwenkt dann zum Neptun über. Ich vermute, dass Scout auch wirklich an Astrologie glaubt. Das habe ich irgendwo gelesen. Merkur und andere Planeten werden wohl auch öfter ins Bild kullern.
Die Leute auf dem Konzert (Anfang Dezember im Wiener B72) waren überrascht. Sie hatten nicht mit einem Punkkonzert gerechnet. Wie bereits gesagt: der Vergleich mit Cat Power hinkt genau hier. Wenn Scout Niblett mit Publikum konfrontiert wird, fehlt ihr jegliche Unsicherheit und Verletzlichkeit.
Dafür finde ich die Mantras wieder. Nach ihrem 2. Album, „I Am“, auf dem sie bereits das Schlagzeug als tragendes Element eingeführt hat, und den Cheerleader-Cheer (?) indiefähig gemacht hat, fügt sich das Schlagzeug auf „Kidnapped By Neptune“ perfekt in das Gesamtkonzept ein.
Die unverwechselbare Gitarre von „Wet Shoulders“ verbindet sich mit dem Schlagzeug von „Linus“. In einem meiner Lieblingssongs von dieser Platte, „Pom Poms“: „Does anybody know some cute girl with some pom poms? Cause everybody needs someone to spell out their name”. Das erste Mal, als ich einen ihrer Cheers gehört habe (Give me a M! Give me an A! Give me a G! Give me an I! Give Me A C! For Magician!) habe ich sie vor mir gesehen, alleine an der Seite einer Straße, wie sie ihren Cheer ohne Zuseher nur für sich selbst aufführt. Wer nach High-Schoolfilmen noch an die Magie von Cheerleadern glaubt, muss besonders verträumt und weltfremd sein. Ich finde mich in ihr wieder.
In „Lullaby for Scout in 10 years“ führt sie Gespräche mit ihrem zukünftigen Ich, und dann kommt wieder der Punkrock ins Spiel, um gleich darauf von der lieblich unschuldigen Gitarre abgelöst zu werden. Kontrast erzeugt Spannung.
Ich glaube, dass Scout Niblett höllisch Spaß hat, wenn sie vor einem Publikum aus verletzlichen indiekids ins Mikro brüllen kann. Aber vielleicht habe ich mir das bei dem Konzert auch nur eingebildet. Es war so höllisch laut, dass man nicht allzu sehr zum Nachdenken kam. Und über dem Club fuhr die U-Bahn. In der ersten Reihe pogten sich drei Punks die Seele aus dem Leib, dass man kaum über ihre stacheligen Haare hinweg sehen konnte. Die waren wahrscheinlich nur zufällig da.
Diese helle, klare Stimme. Scout Niblett hat etwas, was sowohl Cat Power als auch Laura Veirs fehlt: einen energetischen, naiven Zugang zu Musik. Man glaubt ihr, dass sie am liebsten alles selbst machen würde. Die Musik ist nicht perfekt arrangiert, es ist keine Tapete, aber genau deswegen ist sie auch so wirksam, weil sie ehrlich, spontan und voller ist, voller Enthusiasmus und Liebe.
Diese helle stimme kann plötzlich in das Gebrüll eines kleinen Kindes umschlagen, nur dass Sie vorgewarnt sind, wie in “I Am” auf “Drummer Boy“, wo das kleine Kind am Ende lautstark verkündet „I CAN'T WAIT TILL THE MORNING; I GOTTA GO NOW!“. Und man weiß sofort, was gemeint ist. Würde Laura Veirs so schreiben? Und wenn Punk nicht kindisch ist, was ist er dann?
„Hey, Instrument of Death, Sing for me again!“ Scout liebt ihre Drums. Springen Sie nun. Lassen Sie ihre Stirnfransen fliegen. Das hier kommt um soviel mehr vom Herzen als all die anderen Dinge, zu denen die jungen Leute von heute tanzen.
Die Überraschungen kommen am Schluss. Auf „This City“ klingt das Piano verdächtig nach den Dresden Dolls. Man wünscht sich, Jack White würde so ironisch damit umgehen.
Und dann ist da noch „Wolfie“. Bei dem Konzert gab Scout 2 Zugaben, das war der letzte Song. Alle taumelten vor Glück und waren aufgeladen mit Energie. Dann trafen uns Zeilen wie „My Hand held yours but who was prouder to be with the other? I Think it was me!”. “Where will you be when you're as old as me? Will you see me anymore?”. Einer der schönsten Songs, der jemals über die unglückliche Leibe geschrieben wurde, wenn jemand mehr liebt, wenn beide in verschiedenen Phasen ihres Lebens sind. Ich glaube, ich war nicht die einzige, die nachher fast geweint hätte.
Am Ende der Platte steht dann der Satz „I'll make my pretty fucking noise until death“, und wir wollen ihr glauben. Das beste Punk-Album 2005, und das ist kein Witz.
„Kidnapped By Neptune“ beginnt mit Wasser – bestimmt nur ein Zufall – und schwenkt dann zum Neptun über. Ich vermute, dass Scout auch wirklich an Astrologie glaubt. Das habe ich irgendwo gelesen. Merkur und andere Planeten werden wohl auch öfter ins Bild kullern.
„It starts with a young girl, rocking her own world“Scout Niblett Songs leben von Überraschung, Tempowechsel. Die Drums und die E-Gitarre kommen aus dem Nirgendwo. Was mit verletzlichem Singer/Songwriterpop beginnt, schlägt innerhalb von Sekunden in Metal-Punk um. Lassen Sie sich nicht täuschen – Scout ist keine Mimose.
Die Leute auf dem Konzert (Anfang Dezember im Wiener B72) waren überrascht. Sie hatten nicht mit einem Punkkonzert gerechnet. Wie bereits gesagt: der Vergleich mit Cat Power hinkt genau hier. Wenn Scout Niblett mit Publikum konfrontiert wird, fehlt ihr jegliche Unsicherheit und Verletzlichkeit.
Dafür finde ich die Mantras wieder. Nach ihrem 2. Album, „I Am“, auf dem sie bereits das Schlagzeug als tragendes Element eingeführt hat, und den Cheerleader-Cheer (?) indiefähig gemacht hat, fügt sich das Schlagzeug auf „Kidnapped By Neptune“ perfekt in das Gesamtkonzept ein.
Die unverwechselbare Gitarre von „Wet Shoulders“ verbindet sich mit dem Schlagzeug von „Linus“. In einem meiner Lieblingssongs von dieser Platte, „Pom Poms“: „Does anybody know some cute girl with some pom poms? Cause everybody needs someone to spell out their name”. Das erste Mal, als ich einen ihrer Cheers gehört habe (Give me a M! Give me an A! Give me a G! Give me an I! Give Me A C! For Magician!) habe ich sie vor mir gesehen, alleine an der Seite einer Straße, wie sie ihren Cheer ohne Zuseher nur für sich selbst aufführt. Wer nach High-Schoolfilmen noch an die Magie von Cheerleadern glaubt, muss besonders verträumt und weltfremd sein. Ich finde mich in ihr wieder.
In „Lullaby for Scout in 10 years“ führt sie Gespräche mit ihrem zukünftigen Ich, und dann kommt wieder der Punkrock ins Spiel, um gleich darauf von der lieblich unschuldigen Gitarre abgelöst zu werden. Kontrast erzeugt Spannung.
Ich glaube, dass Scout Niblett höllisch Spaß hat, wenn sie vor einem Publikum aus verletzlichen indiekids ins Mikro brüllen kann. Aber vielleicht habe ich mir das bei dem Konzert auch nur eingebildet. Es war so höllisch laut, dass man nicht allzu sehr zum Nachdenken kam. Und über dem Club fuhr die U-Bahn. In der ersten Reihe pogten sich drei Punks die Seele aus dem Leib, dass man kaum über ihre stacheligen Haare hinweg sehen konnte. Die waren wahrscheinlich nur zufällig da.
Diese helle, klare Stimme. Scout Niblett hat etwas, was sowohl Cat Power als auch Laura Veirs fehlt: einen energetischen, naiven Zugang zu Musik. Man glaubt ihr, dass sie am liebsten alles selbst machen würde. Die Musik ist nicht perfekt arrangiert, es ist keine Tapete, aber genau deswegen ist sie auch so wirksam, weil sie ehrlich, spontan und voller ist, voller Enthusiasmus und Liebe.
Diese helle stimme kann plötzlich in das Gebrüll eines kleinen Kindes umschlagen, nur dass Sie vorgewarnt sind, wie in “I Am” auf “Drummer Boy“, wo das kleine Kind am Ende lautstark verkündet „I CAN'T WAIT TILL THE MORNING; I GOTTA GO NOW!“. Und man weiß sofort, was gemeint ist. Würde Laura Veirs so schreiben? Und wenn Punk nicht kindisch ist, was ist er dann?
„Hey, Instrument of Death, Sing for me again!“ Scout liebt ihre Drums. Springen Sie nun. Lassen Sie ihre Stirnfransen fliegen. Das hier kommt um soviel mehr vom Herzen als all die anderen Dinge, zu denen die jungen Leute von heute tanzen.
Die Überraschungen kommen am Schluss. Auf „This City“ klingt das Piano verdächtig nach den Dresden Dolls. Man wünscht sich, Jack White würde so ironisch damit umgehen.
Und dann ist da noch „Wolfie“. Bei dem Konzert gab Scout 2 Zugaben, das war der letzte Song. Alle taumelten vor Glück und waren aufgeladen mit Energie. Dann trafen uns Zeilen wie „My Hand held yours but who was prouder to be with the other? I Think it was me!”. “Where will you be when you're as old as me? Will you see me anymore?”. Einer der schönsten Songs, der jemals über die unglückliche Leibe geschrieben wurde, wenn jemand mehr liebt, wenn beide in verschiedenen Phasen ihres Lebens sind. Ich glaube, ich war nicht die einzige, die nachher fast geweint hätte.
Am Ende der Platte steht dann der Satz „I'll make my pretty fucking noise until death“, und wir wollen ihr glauben. Das beste Punk-Album 2005, und das ist kein Witz.
No comments:
Post a Comment