Saturday, 7 January 2006

Laura Veirs - Year of Meteors

WASSER – VÖGEL – MEERJUNGFRAUEN – SCHWERKRAFT

Verglichen mit Cat Power neigt Laura Veirs meist zum Geschichtenerzählen. In „Devil’s Hootenanny“ erzählte sie eine Geschichte von der Banjo-Musik des Teufels. Auf „Year of Meteors“ klingt sie wie auf ihren vorherigen Alben – greift auf mystische Kreaturen wie Meerjungfrauen zurück (ihr vorherigen Album endete mit einer, das neue beginnt mit einer), und widmet sich den epischen Landschaften, die auch schon die vorherigen Alben dominiert haben. Musikalisch ist die Komplexität noch weiter gestiegen. Überraschend legt sich über „Fire Snakes“ ein Beat, und am Ende ist nur Soundkulisse.
„Gravity is Dead“ singt sie auf „Galaxies“. Das Album wendet sich also dem Weltraum zu, aber nur kurz, denn im Weltraum gibt es kein Wasser, keine Bäume, nichts, was umfassend zu beschreiben wäre. Die Poesie herrscht vor. In „Rialto“ schreibt sie über die Schiffe in Venedig. Versucht das mal mit geschlossenen Augen nachzuvollziehen. Seemänner kommen hier auch vor, aber sie drängen sich nicht weiter auf, sie sind nicht Teil einer Handlung, eines persönlichen Begehrens – sie sind Teil der Landschaft. Laura Veirs träumt auch nur von diesen Landschaften, die Bilder in ihrem Kopf werden nahtlos in den des Hörers übertragen. Sie schließt ihre Venedigreise mit den Worten „I Could So Go There“ – es erweist sich also doch als idealisierte Vorstellung einer Szenerie. Die Wirklichkeit ist meist nicht so schön wie eine Idee von ihr.
Manchmal erinnert sie mich an Virginia Woolf's „The Waves“ – ein autobiografischer Roman, der von den Wellen des Meeres dominiert wurde, die auch ihre ersten Kindheitserinnerungen darstellten. Auch Erinnerungen sind meist verschwommen und idealisiert – und das Wassermotiv hält sich, es dominiert dieses Album. „Going away like a poem closed away in a dresser drawer“. Sie ist sich ihrer Einflüsse also bewusst. Das Cello-Solo ist nicht das Schönste an dem Song. So müssen Streicher eingesetzt werden, um mich glücklich zu machen.
Irgendwie vermischt sich alles. Der Weltraum ist gleich vor der Tür, die Natur überwächst das Equipment. Die Meerjungfrau schwimmt durch das Bild und kommt sicherlich wieder. Die Königin des bildhaften Singens ist zurück.

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